Gemeinsam handeln: Interprofessionelle Zusammenarbeit bei Hitze und Klimawandel
Hitze und andere Folgen des Klimawandels stellen die Gesundheitsversorgung vor komplexe Herausforderungen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Schwangere, Kinder und sozial benachteiligte Personen. Gleichzeitig belasten Hitzeereignisse auch die körperliche und psychische Gesundheit der Gesundheitsfachpersonen und können die Funktionsfähigkeit ganzer Versorgungssysteme beeinträchtigen.
Aktuelle Forschung zeigt: Eine wirksame Hitzevorsorge braucht abgestimmte Zusammenarbeit. Medizin, Pflege, Pharmazie, Therapie, Sozialarbeit, Rettungswesen, Public Health und kommunale Einrichtungen müssen ihre Kompetenzen bündeln und Patient sowie Angehörige aktiv einbeziehen.
Eine Untersuchung der Hitzewelle 2021 im Nordwesten der USA identifizierte begrenzte Personalressourcen, fehlende Vorbereitung und unzureichende regionale Zusammenarbeit als zentrale Hindernisse. Frühzeitige Planung, verlässliche Partnerschaften, klare Koordination und Echtzeit-Monitoring verbesserten dagegen die Reaktionsfähigkeit des Gesundheitswesens.¹
Ein aktueller Scoping Review zeigt zudem, dass Klimafolgen die körperliche und psychische Gesundheit, Arbeitssicherheit und Leistungsfähigkeit von Gesundheitsfachpersonen beeinträchtigen. Fehlendes Wissen, unzureichende Fortbildung, anfällige Infrastruktur und Koordinationsprobleme erschweren die Anpassung.²
Interprofessionelle Bildungsangebote zu Klima und Planetary Health können Wissen, Problembewusstsein, Kommunikation und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit fördern. Bislang konzentriert sich die Forschung jedoch stark auf Medizin und Pflege. Andere Gesundheitsberufe sind deutlich unterrepräsentiert, und langfristige Auswirkungen auf Versorgung und Gesundheit wurden kaum untersucht.³⁴
Für eine klimaresiliente Gesundheitsversorgung brauchen wir deshalb:
- gemeinsame Hitzeaktionspläne und klar definierte Verantwortlichkeiten,
- interprofessionelle Aus-, Fort- und Weiterbildung,
- abgestimmte Warn- und Kommunikationswege,
- Schutzmaßnahmen für Patient und Gesundheitsfachpersonen,
- Zusammenarbeit über Institutions- und Sektorengrenzen hinweg,
- aktive Beteiligung von Patient und Angehörigen,
- Evaluation der Auswirkungen auf Versorgung, Gesundheit und Chancengleichheit.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Klimabedingte Gesundheitsrisiken können wir nur gemeinsam bewältigen. Interprofessionelle Zusammenarbeit ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren, personenzentrierten und klimaresilienten Gesundheitsversorgung.
Referenzen
- Korfmacher, M., Hartwell, C., Hill, K. et al. (2025). Lessons learnt from the 2021 Pacific Northwest heat dome: a qualitative study of western Washington’s healthcare community response. BMJ Open, 15, e089093. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-089093
- Tesfaye, A. H. et al. (2025). Impact of climate change on health workers: a scoping review. Journal of Public Health. https://doi.org/10.1007/s10389-025-02418-z
- Nashwan, A. J., Joy, G. V. & Chaabna, N. (2026). Integrating Planetary Health Into Interprofessional Education: A Scoping Review. Cureus, 18(2), e103662. https://doi.org/10.7759/cureus.103662
- Ly, K., Cariddi, A. C., Cote, M. & Hall, K. (2026). Development, implementation, and evaluation of interprofessional events on climate change in health professions curricula. Frontiers in Medicine, 12, 1736224. https://doi.org/10.3389/fmed.2025.1736224
- European Environment Agency. (2024). The impacts of heat on health: surveillance and preparedness in Europe. EEA-Bericht

